Morgen feiern wir die Sommersonnenwende – den längsten Tag und die kürzeste Nacht des Jahres.

Seit Jahrtausenden markieren Menschen diesen besonderen Zeitpunkt im Jahreskreis. Feuer werden entzündet, Gemeinschaften kommen zusammen, und die Fülle des Sommers wird bewusst wahrgenommen.

Für mich ist die Sommersonnenwende auch mit persönlichen Erinnerungen verbunden. Vor einigen Jahren traf ich mich regelmäßig mit einer Gruppe naturverbundener Menschen, um die Wendepunkte des Jahres gemeinsam zu feiern. Die Sommersonnenwende wurde dort mit einem Medizinrad-Ritual und einer geführten Meditation begangen. Was mich bis heute berührt, ist nicht so sehr die äußere Form, sondern die Erfahrung, für einen Moment innezuhalten und das Licht bewusst wahrzunehmen – nicht nur in der Natur, sondern auch im eigenen Leben.

Die Einladung der Sommersonnenwende

Die Natur steht jetzt in voller Kraft. Die Tage sind lang, vieles wächst, blüht und trägt bereits erste Früchte. Gleichzeitig markiert die Sommersonnenwende einen Wendepunkt. Mit dem Höhepunkt des Lichts beginnt bereits die langsame Rückkehr der Dunkelheit.
Vielleicht liegt gerade darin ihre Weisheit.

Die Sommersonnenwende erinnert uns daran, einen Moment innezuhalten und zu fragen:

• Was ist in meinem Leben in den vergangenen Monaten gewachsen?
• Welche Früchte zeigen sich bereits?
• Wo bin ich mehr in meine Kraft gekommen?
• Und was möchte ich bewusst in die zweite Hälfte des Jahres mitnehmen?

Im Rad der inneren Führung verbinden wir solche Fragen mit dem Norden des Medizinrades. Der Norden steht für Klarheit, Weisheit und die Fähigkeit, das Wesentliche zu erkennen.

Er lädt dazu ein, einen Schritt zurückzutreten und das eigene Leben aus einer größeren Perspektive zu betrachten. Die Sommersonnenwende kann ein solcher Moment der Übersicht sein.

Eine einfache Übung zur Sommersonnenwende

Du brauchst dafür nichts Besonderes. Nur etwas Zeit und möglichst einen Platz in der Natur.

Vorbereitung

Suche dir einen Ort, an dem du für einige Minuten ungestört sein kannst. Vielleicht in einem Garten, einem Park oder auf einem Waldweg.
Nimm bewusst wahr, wie das Licht auf die Landschaft fällt. Spüre den Boden unter deinen Füßen.

Durchführung

Atme ruhig durch die Nase ein und zähle innerlich bis drei.
Atme langsam aus und zähle bis sechs.
Wiederhole dies sieben Mal.
Lenke anschließend deine Aufmerksamkeit auf die Frage:

Wo zeigt sich gerade Licht in meinem Leben?

Dabei geht es nicht um Perfektion oder große Erfolge.

Vielleicht ist es eine neue Erkenntnis, eine Begegnung, eine Entscheidung oder einfach mehr Vertrauen in deinen Weg.

Lege eine Hand auf die Stelle deines Körpers, an der du dieses „Licht“ am stärksten spürst.

Bleibe einige Atemzüge bei dieser Wahrnehmung.

Journaling

Nimm dir anschließend einige Minuten Zeit für folgende Fragen:

• Worauf bin ich in diesem Jahr dankbar?
• Was ist gewachsen, obwohl ich es vielleicht zunächst nicht bemerkt habe?
• Welche Kraft möchte ich in den kommenden Monaten bewahren?
• Was möchte ich mehr ins Licht bringen?

Integration

Bevor du deinen Weg fortsetzt, suche einen kleinen Gegenstand in der Natur – einen Stein, ein Blatt oder einen Zapfen. Nimm ihn als Erinnerung an die Erkenntnis dieses Tages mit.
Lass ihn in den kommenden Wochen an einem sichtbaren Ort liegen und erinnere dich immer wieder an die Frage:

Welches Licht möchte durch mich in die Welt kommen?

Ein Moment des Dankes

Die Sommersonnenwende muss kein großes Ereignis sein.

Oft genügt es, für einige Minuten still zu werden und wahrzunehmen, was bereits da ist.

Vielleicht ist genau das die eigentliche Botschaft dieser Zeit:
Nicht mehr erreichen. Nicht mehr suchen.
Sondern erkennen, was bereits gewachsen ist.
Ich wünsche dir eine lichtvolle Sommersonnenwende.